Der Kommentar: Die Falle der Materialisten
14.03.2011: Mit „Der Mythos vom Elternglück“ überschrieb die Süddeutsche Zeitung am 04.03. einen Artikel auf Seite 18, dessen Inhalt dann tatsächlich noch fürchterlicher ist als es der Titel erahnen lässt. Autor Christian Weber kommentiert einen wissenschaftlichen Versuch, der die Frage beantworten wollte, weshalb trotz aller Gegenargumente Eltern immer wieder behaupten, dass „Kinder das Leben erfüllen und bereichern“.
Das Ergebnis dieser psychologischen Studie aus Kanada lautet: „Selbstbetrug“! Ebenso wie nach einem „missglückten Haus- oder Autokauf“ würden Eltern sich „ihr Leben schönreden“, um sich den Fehler nicht eingestehen zu müssen.
Der beispielhafte Vergleich von Kindern mit Haus und Auto entlarvt die materialistische und radikal individualistische Grundhaltung sowohl der Forscher als auch des Kommentators. Die argumentative Keule gegen alle, die sich für Kind(er) entschieden haben, zeugt darüber hinaus von einer fast unglaublichen Selbstverachtung der im Grunde Bedauernswerten, für die das Leben nur aus Chemie, Ökonomie und dem eigenen Ich besteht.
Es wird kein Versuch unterlassen, den Vorteil der (gewollten!) Kinderlosigkeit zu preisen: Die „Kinderaufzucht“ (ich hoffe mal, bei diesem Begriff handelt es sich um einen Übersetzungsfehler aus dem Englischen) koste bis zum 18. Lebensjahr ca. 150.000 € und davon übrig blieben „durchwachte Nächte, stinkende Windeln, ein lädiertes Liebesleben und die Undankbarkeit pubertierender Teenager“; insgesamt seien Eltern unzufriedener und „emotional verwahrloster“ als kinderlose Paare. Ausgehend von diesen Tatsachen fragt der Autor, weshalb Eltern dennoch darauf bestehen, mit ihren Kindern glücklich zu sein. Die Antwort wurde oben bereits gegeben.
Welche Schlüsse lassen sich aus dem Ganzen ziehen?
Zunächst ist es wichtig, dass alle Heranwachsenden aufmerksam werden (So viel bedeutet ihr einer gottlosen Gesellschaft wirklich!) und nicht auf die heute vorherrschende Weltanschauung hereinfallen, auch wenn sie noch so bunt glitzert. Denkt bitte daran: Außer Glitzer haben die nichts, was sie euch anbieten können.
Als Vater fühle ich mich durch die Studie gar nicht angesprochen. Trotz meiner sechs Kinder hatte ich bisher keine durchwachte Nacht, bin irgendwie auch noch nicht verhungert und von den vier über 14-Jährigen ist keiner undankbar. Sein Liebesleben lädiert man sich durch Partnerwechsel, aber nicht durch Kinder.
Der Materialist ist in seiner Selbstverneinung bereits so weit fortgeschritten, dass er bei konsequenter Umsetzung dieser Weltanschauung (beispielsweise in seiner eigenen Elterngeneration) selbst gar nicht auf der Welt wäre. Nun bleibt es ihm vorbehalten für sein eigenes Aussterben zu sorgen, was der Welt wiederum einen Funken Hoffnung hinterlässt.
Doch vor dem Aussterben gibt es noch ein Problem, über dessen Kosten für die Gemeinschaft es sicher noch keine Berechnungen gibt: Die individualisierten und genussorientierten Mitmenschen werden auch einmal alt und bedürftig und sind zudem ja noch ohne Kinder und Enkel. Wer sorgt dann für die Bespaßung der Senioren, die nach 75 Jahren immer noch auf der Suche nach dem Lebensglück in ihrem eigenen Ich sind? Das machen dann wahrscheinlich unsere Kinder…
Thomas Korell
stellvertr. AUF-Landesvorsitzender Thüringen
Kontakt: Thomas.Korell(at)AUF-Partei(dot)de
zum Artikel in der Süddeutschen Zeitung


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