Die Landesregierung setzt in der Krippenpolitik Wegmarken in die falsche Richtung
Auf Antrag der Landtagsfraktion der Grünen stand am 8. Dezember 2011 im baden-württembergischen Landtag als erster Tagesordnungspunkt eine aktuelle Debatte „Pakt mit den Kommunen – ein Meilenstein für ...
... die Kleinkindbetreuung“ an.1 Die grün-rote Landesregierung propagierte erwartungsgemäß ihr Projekt Grunderwerbssteuererhöhung zur Finanzierung von mehr kollektiver Kleinkinderbetreuung. Alle wüßten, daß die geschätzten 365 Millionen Euro zusätzliche Steuereinnahmen für den Ausbau der Betreuungsplätze für Kleinkinder gut angelegt seien, so Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Denn er habe nur ein „leises Grummeln“ vernommen.
Mehr als nur ein „leises Grummeln“ macht die AUF-Partei in Fragen der vorherrschenden Krippenpolitik schon in ihrem Grundsatzprogramm2 deutlich. Auf die Mütter komme es an, nicht auf immer mehr Kinder in Krippen. Sogar einen derartigen „grünen“ Wurzelstrang gibt es. Denn im Programm der Grünen Aktion Zukunft (GAZ) Herbert Gruhls von 1978 steht nichts anderes drin.3 Beides trägt in diesem Punkt schließlich die Handschrift der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin Christa Meves. Leider wurde dieser Wurzelstrang in den Grabenkämpfen der Gründungsgrünen um 1980 gekappt. Winfried Kretschmann wird gerne als wertkonservativ gewordener Grüner wahrgenommen, doch in dieser Frage hat sich leider nichts geändert. Wenn die Landesregierung den Ausbau der Kleinkindbetreuung durch eine Erhöhung der Grunderwerbssteuer regeln will, dann drängt das die Mütter künstlich in das Berufsleben. Wer Familien zusätzlich Geld nimmt, um es in die kollektive Kleinkindbetreuung zu stecken, betreibt Manipulation in Richtung Entmutterung der Gesellschaft. Was das heißt, hat nun auch Papst Benedikt XVI. in seiner am 22. September 2011 vor dem Deutschen Bundestag gehaltenen Rede4 erklärt: Nicht nur die Natur kenne Grenzen der Manipulierbarkeit, sondern auch die Natur des Menschen. Das gelte es zu achten. Doch die Grünen reden viel von Ökologie, ignorieren aber die vom Papst so treffend benannte „Ökologie des Menschen“.
Es gibt nicht nur Umweltbelastungen, sondern auch Belastungen für Menschen. Kinder brauchen bis zu einem Alter von etwa drei Jahren aufgrund ihres Bindungstriebes ihre Mutter besonders. Wenn eine Mutter sich entschließt, ihr etwa zwei Jahre altes Kind noch nicht einer Kollektivbetreuung zu überlassen, dann trägt das dazu bei, dem Nachwuchs Verläßlichkeit und Geborgenheit zu vermitteln. Solche Kinder sind später weniger streßanfällig, wie eine jüngere Studie einmal mehr belegt.5 Die Zunahme von Depressionen in unserer Gesellschaft sollte auch in dieser Hinsicht zu denken geben. Die radikalfeministische, heute unter der Bezeichnung „Gender Mainstreaming“ sich ausbreitende einseitige Wertschätzung der Erwerbsarbeit geht zu Lasten der Mutter- und Hausfrauenrolle und läuft auf eine Belastung der „Ökologie des Menschen“ hinaus. Von dieser mangelnden Wertschätzung haben weder die Mütter, noch die Kleinkinder etwas davon. Was die Fraktion der Grünen da idealisierend als „Meilenstein“ auf die Tagesordnung setzen ließ, ist in Wirklichkeit eine Wegmarke in die seit Jahrzehnten eingeschlagene, aber falsche Richtung. Ein Prozess der Ernüchterung ist längst überfällig, andere Konzepte dringend vonnöten.
(Ein Gastbeitrag von V. Kempf, Vors. der Herbert-Gruhl-Gesellschaft)
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1 Die nachstehenden Ausführungen stützen sich vorläufig auf Presseangaben. Es werden die Landtagsdebatten in der Regel nach etwa zwei Wochen auf der Homepage des Landtags (www.landtag-bw.de) dokumentiert und zur gegebenen Zeit gesichtet.
2 Das AUF-Grundsatzprogramm ist abrufbar, unter: (www.auf-partei.de)
3 Zumindest das GAZ-Kurzprogramm ist im Internet abrufbar, unter: (http://www.herbert-gruhl.de/html/gaz-manifest.html)
4 Die zitierte Rede des Papstes, unter: (http://www.bundestag.de/kulturundgeschichte/geschichte/gastredner/benedict/rede.html)
5 Zur erwähnten neueren Studie siehe: (http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/psychologie/news/fruehkindliche-praegung-mutterliebe-bestimmt-stresstoleranz-_aid_692244.html)


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