17.5.2012 21:18

Die Papstrede

In einer brillianten Rede sprach der Papst Benedikt der XVI. über die Grundlage des freiheitlichen Rechtsstaats.

Nicht der Erfolg, sondern das Recht zu verteidigen muss Bestreben des Politikers sein. Aber was ist „Recht“? Recht ist etwas Objektives, es entspricht der Fähigkeit zwischen gut und böse zu unterscheiden. Geltendes „Recht“ kann folglich größtes Unrecht sein. Macht kann gegen Recht eingesetzt werden. Der Staat kann Instrument der Rechtszerstörung sein. Er bezieht sich auf Augustinus: Ein Staat ohne Gerechtigkeit ist nichts als eine Räuberbande. Die Auflehnung gegen einen Unrechtsstaat kann rechtmäßig sein. Er erwähnt als ein Beispiel die deutsche Vergangenheit.

Aber wie kann der Mensch Recht erkennen, also wissen, was gut und böse ist? Der Papst betont, dass man dem säkularen Staat nicht unmittelbar eine religiöse Rechtsordnung aufprägen kann und darf. Aber das ist auch nicht nötig. Der christliche Glaube ist zwar zum einen Offenbarung. Er entspricht aber auch in wichtigen Teilen einer vernünftigen Philosophie, also dem vernunftgemäßen Denken und einer vernunftgemäßen Wahrnehmung der Natur. Der Papst bezieht sich hier auf die Bibel, genauer auf Paulus: Die Vernunft und die Natur machen dem Menschen das Gesetz Gottes bekannt und zwar auch den Heiden. Sie sind sich selbst Gesetz. Ihr Gewissen legt Zeugnis von Gottes Ordnung ab.

In den letzte 50 Jahre gab es aber eine dramatische und verhängnisvolle Wendung im Rechtsverständnis. Das sogenannte Schöpfungs- oder Naturrecht, auf das sich Paulus bezog, wurde als katholische Sonderlehre abgetan.

Stattdessen wurde ein positivistischer Natur- und Rechtsbegriff für absolut erklärt. Die Natur wurde nicht mehr als Schöpfung und etwas Wertvolles gesehen, sondern als ein zufälliges Produkt, kausaler, physikalischer Prozesse. Es kann so kein objektives Recht mehr geben. Ethik und Religion gelten daher heute meist als etwas Subjektives, und somit Beliebiges und nicht mehr als vernünftig im strengen Sinne. So wird das Recht außer Kraft gesetzt. Der Mensch selbst und mit ihr wahre Menschlichkeit gehen verloren.
Dadurch verfallen wir in einen Status der Kulturlosigkeit. Der Extremismus wird herausgefordert. Das heutige Denken gleicht einem Betonhaus ohne Fenster, in das die Menschen sich eingeschlossen haben, abgeschlossen von der Weite Gottes. Vernunft und die Ordnung der Natur, das ist die zentrale Botschaft, sind Vorräte Gottes, die nötig sind für das Recht, für Demokratie, Freiheit und universeller Menschenwürde.

Er geht auf Kelsen ein, einen Atheisten. Dieser erkannte, dass ein objektives Recht und eine objektive Vernunft einen Schöpfergott voraussetzen. Ohne dieses Bewusstsein gibt es keine Verantwortung vor Gott und keine Menschenwürde, die ja für alle Menschen gilt. Diese Maßstäbe des Rechts sind uns aufgegeben und es gilt gerade heute sie zu verteidigen.

Wir brauchen wieder eine „Ökologie des Menschen“. Wir müssen die Natur des Menschen erkennen, achten, nicht manipulieren. Der Mensch macht sich nicht selbst. Damit kritisiert der Papst implizit die Gender-Mainstreaming Ideologie und viele anderen Bewegungen der letzten Jahrzehnte. Die etablierten Politiker hätten sicher weniger geklatscht, wenn sie das wirklich verstanden hätten, was der Papst gesagt hat.

Dr. Markus Widenmeyer,
stellvertretender Bundesvorsitzender
Kontakt: Markus.Widenmeyer(at)AUF-Partei(dot)de
30.09.2011 23:38 Alter: 230 Tage
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