Finanzausblick 2012...
Einen Marktausblick inmitten einer Finanzkrise zu geben, ist immer ein schwieriges Unterfangen. Immer in der Gefahr, dass eine erneute Veränderung das Geschriebene diskreditiert. Wenn allerdings eine Nachricht, wie die drohende Herabstufung der Deutschen Kreditwürdigkeit nur noch ein Ereignis neben vielen anderen ist, dann dürfte auch dem letzten klar werden, dass wir uns inmitten einer historischen Umbruchphase befinden.
Welche Veränderungen diese Zeit noch für uns bereithalten wird, darüber läßt sich trefflich spekulieren. Doch letztendlich weiß niemand, was die kommende Zeit bringen wird. Inflation? Währungsreform? Womöglich gar einen Krieg? Medien und Kommentare sind voll von diesen Dingen. Manche Menschen bringt diese Ungewissheit um den Schlaf. Doch vielleicht kommt es ja auch ganz anders und uns steht eine zwar turbulente, letztlich aber friedvolle Zeit des Aufbruchs und der Neuorientierung bevor. Auch und gerade als Christen sollten wir beide Elemente, die in dem Begriff „Krise“ enthalten sind, nämlich Gefahr wie auch Chance, nüchtern bewerten und bedenken. Beides kann man derzeit erkennen. Die Frage ist, welcher dieser beiden Bedeutungen wir in Europa in unserem Denken den größeren Raum geben. Dies hat letztlich gravierende Auswirkungen darauf, wie sich die Dinge entwickeln werden. Hoffen wir darauf, daß unser Herr den Verantwortlichen die „richtige Gewichtung“ schenkt.
(Währungs)- Krieg
Je intensiver man sich mit der Verschuldungskrise der Industrienationen beschäftigt, desto offensichtlicher wird die Brisanz, die sich langsam aus dem Interessennebel hervor schält. Dabei wird immer klarer, dass die Machtachse New York-London zu immer härteren „Waffen“ greift, um eigene Interessen zu wahren. Es befindet sich hierbei eine der stärksten Waffen in den Händen der USA. Die drei Ratingagenturen S&P, Fitch und Moody’s bewerten ja nicht nur die Qualität von Finanzprodukten oder Unternehmen, sondern auch von Staaten. Grundsätzlich haben solche Agenturen eine durchaus sinnvolle Daseinsberechtigung. Problematisch wird es dann, wenn diese Agenturen aus politischen Gründen mit zweierlei Maß messen. Es ist „absurd“, dass die USA mit 9,6 % laufendem Haushaltsdefizit und 15 % Arbeitslosigkeit als größter Schuldner der Welt weiter von den großen US-Ratingagenturen mit AAA bewertet werden. Etlichen soliden europäischen Ländern wird jedoch die Herabstufung angedroht oder an ihnen vollzogen. Es findet ein Wettlauf um den Weltwährungsstatus statt. Die USA benötigen den Dollar als Weltreservewährung, um über die Ausgabe weiterer Dollars ihr Außenhandelsdefizit zu finanzieren. Der Euro hat aber in den letzten zehn Jahren von 17 % auf 27 % der Weltreserven zugelegt. Durch aktive Schwächung des Euro könnten die USA ihren Weltreservestatus erhalten.
Erneute Bankenstützung
Doch alle Reformbemühungen und alle Überlegungen hin zu einer neuen Wirtschafts- bzw. Finanzarchitektur führen nur über den Weg der Beschneidung der globalen Bankenmacht, einschließlich der Notenbanken. Nachdem Banken und Finanzdienstleister unter Umgehung marktwirtschaftlicher Regelungen die Finanzkrise verschuldet hatten, wurden sie von der Allgemeinheit, dem Steuerzahler, gerettet, ohne selber größere Kosten tragen zu müssen. Als Folge stiegen die Staatsschulden. Und nun zahlt den Schaden – wieder der Steuerzahler.
Die Wirtschaftswoche schreibt in ihrer Ausgabe vom 6.2. 2012, S. 18 oben: „Während die Bundesregierung noch Haushaltsdisziplin predigt, hat die Europäische Zentralbank längst die große Geldschwemme (Anmerkung des Autors: insbesondere für die Südländer Italien und Griechenland) eingeleitet. Über die Banken finanziert sie die Krisenstaaten und deren Leistungsbilanzdefizite mit frisch gedrucktem Geld. Die Risiken für den Steuerzahler steigen, Deutschland sitzt in der Euro-Falle.“
Fazit
Unsere Wirtschaftsordnung ist das Opfer einer unheiligen Allianz von Bank-Verantwortlichen und Schuldenpolitikern. Immer mehr Geld und immer mehr Konsum. Dass dieser Weg in die Sackgasse führt, wird immer offentsichtlicher. Inzwischen sind wir soweit, dass dieser Irrweg nicht nur unser gesamtes Wirtschaftssystem bedroht. Der Zeitpunkt rückt näher, an dem sich immer mehr Menschen ganz existentielle Fragen stellen werden: Worum geht es wirklich im Leben? Eine Antwort auf diese Frage zu finden, darin liegt vielleicht die größte Chance dieser Krise. Je stärker die Dinge sich zuspitzen, und das werden sie nach dem heutigen Kenntnisstand zweifellos tun, desto mehr könnten solche Dinge in das Bewusstsein der Menschen gelangen. Krisen schaffen jedoch immer die strukturellen Veränderungen, die sonst hinausgezögert oder verhindert werden. Insofern sind die Chancen für die, die sich dieser Krise stellen, nicht zu unterschätzen.
Februar 2012
Mirko Kohlbrecher – Spiekermann & Co AG u. Herbert Bojahr


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