Die Presse über AUF: Christliche Konservative mit grüner Umweltprogrammatik
Weissach. Die deutsche Parteienlandschaft ist um eine neue christliche Partei reicher. Die Partei für Arbeit, Umwelt und Familie, kurz AUF, hat regional bekannte Köpfe. Der Weissacher Walter Weiblen, bis Dezember Chef der Partei Bibeltreuer Christen, ist ihr Bundesvorsitzender.
Die am 26. Januar in Berlin gegründete AUF-Partei versteht sich als neue Plattform für alle politisch engagierten Christen. Dahinter steckt die Absicht, die traditionell zersplitterten christlichen Kräfte zu bündeln. Zu den 80 Gründungsmitliedern gehören frühere Bundesvorstände der Partei Bibeltreuer Christen (PBC) und der Deutschen Zentrumspartei sowie Mitglieder der Ökologisch-Demokratischen Partei (ödp).
Arbeit, Umwelt und Familie, die drei namensgebenden Begriffe der neuen Partei beschreiben auch die politischen Schwerpunkte des Grundsatzprogrammes. Die AUF-Partei will die Rolle der Familie stärken. Deshalb fordert sie, die familiäre Erziehungsleistung durch ein sozialversicherungspflichtiges Erziehungsgehalt zu stärken, dessen Höhe sich am durchschnittlichen Bruttogehalt von Arbeitnehmern orientiert. "Die Erziehungsleitung muss gesellschaftlich aufgewertet werden", sagt Weiblen. Die zunehmende Ausgliederung von Kindern und Senioren an Betreuungseinrichtungen sei ein Fehler.
Zu den Forderungen der Partei gehört auch eine Grundsicherung für alle in Verbindung mit einem Kombilohn. Durch drastisch abzusenkende Lohnnebenkosten verspricht sich die AUF-Partei mehr Arbeitsplätze. Dies soll durch eine ökologische Steuergesetzgebung gegenfinanziert werden. Bis 2030 müsse Deutschland weitgehend frei vom Import fossiler Energieträger sein, heißt es im Grundsatzprogramm, das beim Thema Umwelt fast wie von den Grünen klingt. Die Atomenergie sei keine Alternative.
Die Gründung einer neuen christlichen Partei ist schon seit zwei Jahren in der PBC und in der Zentrumspartei diskutiert worden. Der vom PBC-Vorstand um Weiblen vorgeschlagene Weg, eine Doppelmitgliedschaft zuzulassen, wurde jedoch im Dezember 2007 von den Delegierten des PBC-Bundesparteitages abgelehnt. Bundesvorsitzender Weiblen trat daraufhin wie weitere Vorstandsmitglieder aus. Die Spitze der Zentrumspartei hatte die Fusionsgespräche schon für beendet erklärt.
Ist die erhoffte Bündelung der christlichen Kräfte also nur eine weitere Zersplitterung, wie es PBC und Zentrumspartei der AUF-Partei unmittelbar nach deren Gründung in einer gemeinsamen Erklärung vorwarfen? Keinesfalls, entgegnet Weiblen, das christliche Spektrum durchlaufe nur einen Prozess der Neuorientierung, wie es beispielsweise seit einiger Zeit auch bei den linken Parteien geschehe. Etwa 40 Prozent der rund 4500 PBC-Mitglieder und ein Drittel der etwa 600 Zentrum-Mitglieder unterstützten den Kurs, schätzt er. Man habe auch neue christliche Kräfte wie etwa den CDU-Flügel Christdemokraten für Leben im Blick. Ziel sei es, von der Bundes- bis zur Kommunalebene künftig den Sprung in Parlamente zu schaffen.
Als Wahlkämpfer hat der 52-jährige Unternehmensberater Weiblen Erfahrung. 2002 erreichte er für die PBC bei der Bundestagswahl 1,12 Prozent der Erststimmen, 2004 trat er als chancenloser Außenseiter bei der Oberbürgermeisterwahl in Stuttgart an. Außer Weiblen ist noch ein weiterer Weissacher im Bundesvorstand der AUF-Partei: Der Steuerberater Dieter Burr wurde zum Schatzmeister gewählt.
Informationen zu der neuen Partei im Internet unter www.auf-partei.de.
08.02.2008 - aktualisiert: 08.02.2008 06:16 Uhr, Leonberger Kreiszeitung
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