7.9.2010 14:48

Gedanken zur Finanzwirtschaft anlässlich der Bankenkrise

Die Bankenkrise greift immer mehr um sich. Die Regierungen der Länder der Europäischen Union und vor allem in den USA ergreifen drastische Maßnahmen, um gegen die Auswirkungen der Bankenkrise vorzugehen. Zum Beispiel stellt die Regierung der USA 700 Milliarden US $ zur Verfügung, die Regierungen der Europäischen Union versucheneinen Konsens zu finden um das Risiko abzufedern.

Bild eines Hauses aus dessen Schornstein Geld verdampft.

Dieses Vorgehen zeigt, dass die weltweite Bankenkrise die Wirtschaft und den Zahlungsfluss der Kreditinstitute gefährdet.

Aufgrund dieser Tatsachen möchte ich mit diesem Artikel versuchen, die Hintergründe der Krise aufzuzeigen und die Gefährdungen unserer Wirtschaft darstellen.

Im Anschluss werde ich noch einige politische Forderungen formulieren, die meines Erachtens geeignet sind, künftig solche Vorkommnisse zu verhindern bzw. früher transparent zu machen.Die Hypo Real Estate Bank mit ihrem Tochterunternehmen, der DEPFA, als Nachfolgebank für die sogenannte Ostkredit, sind in Deutschland besonders betroffen. Die Ostkredit ist in den 90er Jahren zur Vermeidung der Insolvenz in die jetzige Rechtsform eingebracht worden. Aus diesem Grund ist das bisher in Deutschland meistbetroffene Kreditinstitut mit besonderen Risiken und einer schwierigen Kreditstrukturierung versehen.

Ursachen der Bankenkrise

1. Hintergründe in den USA

Die Leistungsbilanz der USA weist seit vielen Jahren ein erhebliches Defizit aus. Das hat dazu geführt, dass die USA in der Vergangenheit Vermögenswerte eingesetzt hat um ihr Leistungsbilanzdefizit zu bezahlen, d.h., es wurden Grundstückswerte und Wertpapiere verpfändet, um Kredite zu erhalten.
Um das Defizit auszugleichen wurde jährlich ein Betrag in der Größenordnung von 600 – 700 Milliarden Dollar aufgebracht. Dieser enorme Werteabfluss entspricht ca. 5,5 % des Brutto-Inlandsproduktes der USA.
Die USA haben in der Vergangenheit wesentliche Vermögenswerte beliehen und über das Ausland finanziert. Dies hat im Lauf der Zeit zu einem Überangebot an solchen Wertpapieren geführt, und der Preis dafür ist natürlich deutlich zurückgegangen. Am Ende konnten die USA ihr Leistungsbilanzdefizit nicht mehr über das Ausland abdecken.
Zusammengefasst bedeutet das: Die USA haben in den vergangenen Jahren ihren hohen Lebensstandard über Geldgeber aus der ganzen Welt finanziert!

2. Immobilienmarkt und Haftung für Schulden in den USA

In den vergangenen Jahren sind in den USA die Immobilienpreise stärker gewachsen als das Bruttosozialprodukt. In vielen Fällen wurden die Immobilien-Wertsteigerungen direkt über neue Kredite finanziert.
Aufgrund der steigenden Immobilienpreise haben die Bürger der USA ihre Sparquote deutlich zurückgefahren und ihr gesamtes Einkommen in den Konsum gesteckt. Zum Vergleich: In den vergangenen Jahren hat die Sparquote in den USA 0 %, in Großbritannien ca. 2 % und in Deutschland ca. 10 % betragen.
Ein weiterer Grund sind noch wirtschaftliche Besonderheiten bei der Finanzierung von Immobilien in den USA.
Die Haftung bei Schulden ist in den USA deutlich reduziert, weil in der Regel eine Durchgriffshaftung auf Geschäftsführer und Gesellschafter einer Firma nicht möglich ist. Gleiches gilt bei der Finanzierung von Immobilien. Daraus ergibt sich:

a) Nach einer Pleite (Insolvenz) kann öfter neu gestartet und wieder Einkommen erzielt werden.
b) Die Risikobereitschaft zur Finanzierung von Firmen und Immobilien mit wenig Eigenkapital und einen möglichst hohen Gewinn stellt einen besonderen Anreiz dar.
Kommt dann ein solcher Unternehmer / Immobilienbesitzer in wirtschaftliche Schwierigkeiten, zieht er den Schlüssel ab und überreicht ihn den Banken. Die Konsequenz aus dieser Regelung ist, dass der Anteilseigner und die Geschäftsführer von Unternehmen nicht für Verluste haften, die verursacht werden, sondern dass die Verluste sozialisiert werden.
Diese Zockermentalität gab es nicht nur bei Banken und Unternehmen, sondern vor allem auch bei privaten Bauherren in den USA. Hier gilt eine Haftungsbegrenzung, indem für Kredite aus dem Hauskauf nicht eine Haftung mit den übrigen Lebensbereichen und dem Einkommen in anderen Bereichen gegeben ist, sondern die Bank nur einen Zugriff auf die finanzierte Immobilie hat.
Für den privaten Bauherrn war es interessant, auf die Wertsteigerung der Immobilie zu spekulieren und deshalb in den Hausbau zu investieren. Im Prinzip trug er ja kein oder nur ein geringes Verlustrisiko. Dies stellt eine asymmetrische Risikoverteilung dar.
Dieses Szenario ist in Deutschland so nicht vorstellbar, hier muss jeder Einzelne bei der Finanzierung seiner Immobilie sein gesamtes Einkommen und Vermögen offenlegen und dieses haftet für den Immobilienkauf.

3. Markt der Finanzprodukte

Die Eigenkapitalquote der amerikanischen Banken ist mit ca. 4 % noch deutlich geringer als die der deutschen Firmen und Banken und deshalb konnten – bezogen auf das Eigenkapital – Renditen von 25 % oder mehr erzielt werden.
Aufgrund des geringen Eigenkapitals waren die Banken bereit relativ hohe Risiken einzugehen, um entsprechende Renditen bezogen auf das Eigenkapital zu erzielen.
Es wurden vor allem in den USA Pakete aus Wertpapieren und Grundschuldbriefen geschnürt. Diese Pakete wurden auf unterschiedliche Firmen aufgeteilt und die Kredite und Risiken ineinander verschachtelt. Diese Finanzprodukte sind völlig undurchsichtig und das Risiko unbekannt.
Produkte wurden von den Rating-Agenturen in den USA und weltweit oft mit guter bis sehr guter Bonität beurteilt und damit auch von europäischen Banken und Anlegern in ihr Portfolio aufgenommen.

Es ist davon auszugehen, dass die Rating-Agenturen den Inhalt und die Wahrheit zumindest in Ansätzen gekannt haben, aber hierzu nichts ausgesagt haben.
Warum? Die Rating-Agenturen sind von vielen amerikanischen Banken beauftragt, Beurteilungen abzugeben und erwirtschaften damit einen wesentlichen Teil ihrer Einnahmen. In meinen Augen sind sie aus diesem Grund nicht unabhängig.
Das amerikanische System der Finanzierung des überhöhten Lebensstandards durch Hausfinanzierungen war für den Zusammenbruch prädestiniert. Das Leben der USA auf Kosten der restlichen Welt funktioniert nicht mehr länger und ist zu einem Ende gekommen.

4. Was kann man in der aktuellen Krise tun?

Im Moment besteht die Schwierigkeit darin, dass viele Banken auch im westlichen Europa und in der Europäischen Union solche Pakete von Krediten aus den USA erworben haben und das Risiko aufgrund der undurchsichtigen Gestaltung nicht absehbar ist.
Aufgrund dieser Strukturen ist das Vertrauen der Banken untereinander erschüttert und die Banken sind momentan nicht bereit, sich gegenseitig zu unterstützen und Geld zu investieren.
Durch diese Verstrickungen sind die Regierungen in der Europäischen Union und in den USA gefordert, mit Bürgschaften oder durch den Aufkauf von Kreditpaketen die Insolvenz einzelner Banken, die in diesen Bereichen sehr stark investiert haben, abzuwenden. Ein Weg, der derzeit in den USA und auch in Großbritannien gegangen wird, ist die Teilverstaatlichung von Banken. Der Verfall des Aktienkurses ist ein verstärkendes Element in diesem Bündel der Risikofaktoren.
Viele Banken und Versicherungen haben einen Teil oder wesentliche Teil ihres Vermögens in Aktien angelegt. Der deutliche Rückgang der Aktienkurse kann und wird wohl bei einigen Banken, die international tätig sind, zu einer Überschuldung führen, sodass hier staatliche Hilfe erforderlich sein könnte oder sein wird.
Trotzdem handelt es sich meines Erachtens bei dieser Krise zumindest derzeit noch nicht um eine Weltwirtschaftskrise.

5. Wir sollte eine Stützung der Banken und des Bankensystems erfolgen?

Meines Erachtens kann es nicht angehen, dass Bankvorstände und –Aufsichtsräte in Gewinnjahren ihre tollen wirtschaftlichen Geschäfte anpreisen und jetzt in schwierigen Zeiten alle Verluste sozialisieren wollen. Das Sozialisieren von Verlusten bedeutet, aus Steuereinnahmen in Deutschland oder in anderen Ländern werden Banken und das Geldsystem gestützt ohne negative Auswirkungen für die Vorstände, Aufsichtsräte und Anteilseigner der Banken.
Trotzdem müssen wohl Banken unterstützt und gefördert werden. Dies kann geschehen, indem die Banken zum heutigen, deutlich geringerem Wert als früher, Aktien an die Regierungen in Deutschland, Großbritannien oder auch in den USA verkaufen. Die Konsequenz ist, im Moment werden die Banken verstaatlich oder teilverstaatlicht, aber wenn in den folgenden Jahren, nach Bewältigung der Krise, die Anteile mit einem höheren Wert verkauft werden, kann dann der Steuerzahler auch an den Wertsteigerungen teilnehmen.
Daher sollte meines Erachtens in Deutschland nur ein Unterstützungspaket für die Banken installiert werden, indem über Kapitalerhöhungen Anteile an den deutschen Staat übergehen. Jede andere Unterstützung der Banken mit Steuergeldern halte ich nicht für denkbar und möglich.

6. Europa und gemeinsame Finanzierung

Das Bankensystem als Universalbankensystem in Deutschland ist im Gegensatz zu dem eingeschränkten Bankensystem in den USA und auch zum Bankensystem in Großbritannien anders zu beurteilen und einzuschätzen.
Wir haben aufgrund der Vorschriften und der Einführung von Basel II in Deutschland das Bankensystem gestärkt und auch die Risikobeurteilung, die Veröffentlichung und die Hereinnahme von Risiken in den Jahresabschluss erzwungen und unterstützt.
Dieses Gesetz wurde in wesentlichen Teilen von Großbritannien und den USA abgelehnt. Die Folge war, dass die hohen Risiken in den Kreditpaketen in Großbritannien und den USA nicht angezeigt werden mussten.
Deswegen gibt es keine Veranlassung, dass Deutschland Fonds unterstützt, die Banken in Europa aufkaufen, da diese Länder, vor allem in Großbritannien und den USA, sich geweigert haben, für ihren Bereich Vorschriften wie Basel II einzuführen und umzusetzen.
Dieser Alleingang ist meines Erachtens dann politisch von den Ländern selber zu verantworten und auch aus Steuermitteln dieser Länder zu bedienen. Daher ist ein Vermögenstransfer von Deutschland zur Unterstützung der Banken in Europa meines Erachtens nicht vorstellbar.

7. Was müsste langfristig im Bankenbereich getan werden?

Es ist wichtig, dass international gemeinsame Bankenrichtlinen und ein gemeinsames Berichtswesen geschaffen werden, die es unmöglich machen, dass Banken durch die Verlagerung ihres Sitzes oder die Gründung von Tochtergesellschaften in Ländern mit einer niedrigeren Berichts- oder Ausweispflicht, die Risiken verschleiern können.
Ich sehe die aktuelle Bankenkrise als Möglichkeit eine Änderung herbeizuführen. Die komplette Einführung und Umsetzung von Basel II in Europa ist für mich hierzu ein erster Ansatz. Dazu müssen dann auch alle sogenannten „Offshore - Gesellschaften“ erfasst werden und in die Regelungen von Basel II integriert werden.
Das Eigenkapital der Banken sollte meines Erachtens bei mindestens 20 % der Bilanzsumme liegen, um so einen größeren Puffer bei finanziellen Risiken zu haben.
Die internationalen Bilanzierungsvorschriften nach IFRS stellen ein weiteres Risiko dar. Daher halten wir die Beibehaltung eines Bilanzierungssystems, das automatisch die Bildung stiller Reserven fördert und unterstützt, für notwendig. Im deutschen Handelsgesetzbuch werden über das sogenannte Niederstwertprinzip Firmen und damit auch Banken gezwungen stille Reserven zu bilden. Diese Vorschrift stellt eine nicht in der Bilanz gezeigte Rücklage auch für schlechte Zeiten dar, und beinhaltet somit automatisch einen Risikopuffer.

8. Schlussbemerkungen

Die Banken sollen sich aus dem System der Geld-Geilheit und Ausrichtung nach den schnellst möglichen Gewinnen zurückziehen und sich wieder ihrer eigentlichen Aufgabe zuwenden.
Ich möchte mich auf einen Satz von Herrn Dr. Haasis beim Stuttgarter Steuerkongress 2006 beziehen .Er hat dort ausgeführt, dass die Banken und die Finanzwirtschaft keinen Selbst­zweck darstellen, sondern eine dienende Moral für die Wirtschaft haben und es ihre Aufgabe ist, langfristig den Bestand der von ihnen finanzierten Unternehmen zu unterstützen und zu fördern.
Ich denke, wenn die Banken zu einem solchen Selbstverständnis zurückkehren würden, wäre die Bankenkrise und die sich daraus ergebenden Konsequenzen Stichworte der Vergangenheit.
Für mich müsste auch noch die Umsetzung der bereits seit längerem gültigen Richtlinien und Verantwortlichkeiten des Aufsichtsrates und der Kontrollgremien besprochen werden. Es müssen Personen in die Aufsichtsräte der deutschen Banken, die die Situation durch­schauen und ihrer Verantwortung als Aufsichtsrat zur Kontrolle des Vorstandes und zur Einflussnahme auf die Anlageentscheidungen von Kreditinstituten gerecht werden. Die geltenden Regeln sind meines Erachtens meist ausreichend.

9. Biblischer Aspekt

Aufgrund dieser aktuellen Situation erscheinen die biblischen Vorhersagen über den Zusammenbruch des Geldsystems und der Banken greifbar nahe. Der veränderte Umgang mit Geld im persönlichen, wie im politischen Bereich wird ausdrücklich angemahnt.
Schuldenfreiheit und Verzicht auf Geldgier sind dringend notwendig.

Dieter Burr, Bundesschatzmeister

14.10.2008 22:51 Alter: 2 Jahre
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