1.8.2010 12:06

Honeckers „Ochs und Esel“ haben endlich Namen: Schwanitz und Großmann

Der Kommentar - unter dieser Rubrik veröffentlichen wir in loser Reihenfolge Kommentare zum Zeitgeschehen oder wie hier zu einem kürzlich erschienenen Buch: Ein bissigiger Kommentar von Thomas Korell zu dem Buch "Fragen an das MfS" der DDR-Größen Schwanitz und Großmann.

Cover "Fragen an das MfS"

Der Kommentar: Anmerkungen zu "Fragen an das MfS" - von Thomas Korell

Stellen Sie sich vor: 1965, 20 Jahre nach dem Ende des nationalsozialistischen Regimes, hätten zwei hochrangige NS-Offiziere ein Buch herausgegeben mit dem Titel: Fragen an die Gestapo. Sie erklärten in diesem Buch, dass 1.) alles Geschehene nur dem Schutz eines politischen Systems diente, das sie persönlich für das beste hielten, dass 2.) es keine Erpressung, Folter und Nötigung gegeben habe, dass 3.) sie nur auf Anweisung der Parteiführung hin gehandelt hätten und dass 4.) die Opfer mit ihrem Schweigen selbst schuld daran seien, wenn manche Verbrechen bis heute nicht aufgeklärt wären. Na gut, dies ist ebenso unvorstellbar wie unmöglich.

Was jetzt geschah, ist ebenso unvorstellbar, leider jedoch möglich. Wolfgang Schwanitz und Werner Großmann, seit 1986 stellvertretende Minister im Ministerium für Staatssicherheit (MfS), behaupten in dem von ihnen herausgegebenen Buch „Fragen an das MfS" genau die vier oben aufgeführten Aussagen – 20 Jahre nach dem Ende der DDR. Wer sich das ganze Buch nicht antun möchte, kann diese Sätze auch in einem Interview nachlesen ( http://www.jungewelt.de/2010/02-06/007.php ), welches die beiden gegeben haben.

Mit derselben perfiden Rhetorik wie eh und je wird hier die Wahrheit auf den Kopf gestellt, Opfer werden in aller Öffentlichkeit verhöhnt und das begangene DDR-Unrecht verharmlost. Das demokratische Grundrecht der Meinungsfreiheit, das durch die beiden damals aufs Äußerste bekämpft wurde, muss jetzt dafür herhalten, dass dies ungestraft geschehen darf.

Hier bei den Tätern noch auf eine späte Einsicht zu hoffen, scheint vergebens. Was aber noch stärker als bisher zu erfolgen hat, ist die Aufklärung der jungen Generationen. Solange solche Bücher erscheinen, darf es keine Diskussion über die Arbeit der Stasi-Unterlagenbehörde geben. Fast 40 Jahre lang wurden Daten gesammelt durch das MfS. Die Auswertung all dieser Daten wird länger dauern als 40 Jahre und sie muss bis zum letzten noch verfügbaren Reißwolfschnippel und Mikrofilm stattfinden.

Eine Frage drängt sich am Ende noch auf: Warum haben die demokratischen Kräfte in Deutschland diesem Spuk inhaltlich so wenig entgegenzusetzen? Weil sie vielleicht bei dem Begriff Menschenwürde selbst nicht mehr begreifen, um was es hierbei eigentlich geht? Unsere unantastbare Menschenwürde leitet sich davon ab, dass wir als Gottes Ebenbild geschaffen sind. Den Vätern unseres Grundgesetzes war dieser Satz eine Selbstverständlichkeit und aus diesem Geist heraus formulierten sie Artikel um Artikel. Die heutige Politikergeneration aber hat das Fundament dieser Menschenwürde längst verlassen. Deshalb werden auch so viele verabschiedete Gesetze durch das Bundesverfassungsgericht wieder gekippt. Die Politiker haben sich vom Volk abgekoppelt und sind nicht mehr ihrem Gewissen, sondern dem Kommerz verpflichtet. Aus diesem Grund fehlt ihnen eine gesunde eigene Sichtweise auf das politische Geschehen. Sie vermögen selbst nicht mehr recht zu urteilen und deshalb fällt ihnen zu allen Themen, bei denen es um ethische Fragen, Menschenwürde, bürgerliche Freiheit oder eben auch um die korrekte Unterscheidung von Recht und Unrecht geht, nichts mehr ein.

Die Tatsache, dass ein Buch wie dieses erscheint, ist also nicht nur zwei Schurken aus der Vergangenheit zu verdanken, sondern auch dem Unvermögen der gegenwärtigen Politiker. Daher brauchen wir dringend einen Wandel in der Politik. Für mehr Vertrauen und gegen Politik(er)verdrossenheit. Wir brauchen neue und ehrliche Politiker, ein „Weiter so wie bisher" kann und darf es nicht mehr geben. AUF steht für diesen Wandel und möchte den nachkommenden Generationen helfen, sich wieder darüber freuen zu können, in Deutschland zu leben, ohne dass ein braun-roter Schatten aus der Geschichte diese Freude trübt. Freude, weil jede politische Entscheidung sich der Würde des menschlichen Lebens (von der Zeugung bis zum Tod) in Hochachtung unterordnen muss.

Thomas Korell ist Mitglied des AUF-Landesvorstands Thüringen.

Beiträge mit Namensnennung in unserer Rubrik "Der Kommentar" geben die Meinung des Autors wieder. Diese entspricht nicht zwingend der Meinung der AUF-Partei und ihrer Verantwortlichen.                 
16.03.2010 18:42 Alter: 137 Tage
Jetzt bookmarken:addthis.comask.combackflipblinkbitsblinklistblogmarksbluedot.usco.mmentsconnoteadel.icio.usde.lirio.usdigg.comFark.comFeed me links!FolkdFurlgoogle.comhype it!LinkaGoGoLinkaARENAlive.comMa.gnoliaMister WongMyLink.denetscapenetvouznewsvine.comoneviewRawSugarRedditscuttleshadowsSimpySmarkingSpurlstumbleupon.comTailRankTagThatTechnoratiWebnewsWinkWistsYahooMyWebYiggIt