Sixth International ECPYN Summer School - Ein Erfahrungsbericht
Vom 10. August bis 15. August fand in Montenegro die jährlich stattfindende Sechste Internationale ECPYN Summer School zum Thema „(Südost-) Europa zwischen Identität und Integration“ mit ca. 50 Teilnehmern aus 15 Nationen statt. Während dieser Tage hatten die Teilnehmer Gelegenheit, interessante Vorträge zu hören und an Workshops teilzunehmen Die Themenvielfalt war interessant und das Programm abwechslungsreich gestaltet.
Da die Mehrheit der Teilnehmer aus Osteuropa kam, behandelten die Themen vorwiegend osteuropäische Problematiken, was aber zum besseren Verständnis der dortigen Situation beitrug.
Beim Thema „Ethik, Moral und Politik" kam auch die häufig anzutreffende Korruption in den diversen Regionen zur Sprache. Häufig herrscht unter Christen das Vorurteil, dass sich Christsein und Politik ausschließen. Emil Krijestorac (Montenegro, Volkspartei) ging auf die philosophischen Hintergründe ein, wodurch viele Christen immer noch meinen, Ethik bzw. Moral und Politik passen nicht zusammen. Aber gerade weil wir mit christlichen Prinzipien und Wertmaßstäben vertraut sind, ist es wichtig, genau diese christliche Ethik in die Politik zu bringen.
Das Thema „Kirche und Staat" war wichtig, um neu zu verstehen, dass wir als Christen unsere Identität nicht allein in einem (irdischen) politischen System finden. Ein gutes Beispiel für die Bewahrung der eigenen Identität brachte Vater Gojko Perovic (Montenegro, Dekan des orthodoxen Seminars) mit der jüdischen Geschichte im babylonischen Exil, wo die Juden trotz eines anderen politischen Systems dennoch politisch tätig waren. Deswegen ist es wichtig, dass Christen politisch aktiv sind. Die berechtigte Forderung nach Trennung von Kirche und Staat birgt immer die Gefahr, christliche Prinzipien und Wertmaßstäbe aus der Politik zu verbannen. Jonathan van Tongeren (Niederlande, Mitglied im ECPYN-Vorstand) führte aus, dass der Staat trotz Trennung von Kirche und Staat eine Instanz benötigt, die gegen den Staat aufstehen kann im Fall von der Verletzung von biblischen Normen oder Ethik und Moral.
Daran anschließend war die Frage nach einer europäischen Identität und Integration geradezu eine Herausforderung, der sich Prof. Dr. Renner (Tschechien/Niederlande), Vladimir Plamadeala (Moldavien, Mitglied im ECPM-Vorstand), Jacque Bazen (Niederlande/Deutschland), Leo van Doesburg (Niederlande/Rumänien, ECPM-Repräsentant für Osteuropa) und Henk Jan van Schothorst (Niederlande, politischer Berater der Niederländischen Reformierten Partei beim Niederländischen Institut für Mehrparteien-Demokratie) mit viel Hintergrundwissen stellten. Die Definitionen von Europa variieren nach geografischer, geopolitischer, strategischer, aber auch kirchlicher und historischer Betrachtungsweise, sowie der Sprache und Volkszugehörigkeit. Das Element, das in der europäischen Geschichte die weiteste Verbreitung und Akzeptanz gefunden hat, ist das Christentum.
Bereits in Geschichte und Gegenwart gibt es positive und negative Beispiele für Identitätsbildung in größeren Staatengebilden. Die Identität als Sowjet hat in der UDSSR nicht dauerhaft funktioniert. Nach dem Zusammenbruch des Systems haben alle ehemaligen Sowjet-Staaten ihre eigene unabhängige Identität gefunden oder sie sind noch dabei. Als positives Beispiel wurden die USA genannt. Die meisten Amerikaner sind stolz auf ihr Land. Sie haben eine ähnliche Geschichte als Einwanderer. Allerdings ist es interessant, dass viele Amerikaner sich aufgrund ihrer Herkunft zugleich mit einem oder mehreren europäischen Ländern identifizieren.
Für junge politisch Interessierte gab es ausreichend Motivation sich zu engagieren. Stieneke van der Graaf (Niederlande, 24-jährige Abgeordnete des niederländischen Provinzparlaments (Landtag) Groningen) gab einen Einblick in die politische Arbeit und die vielen Herausforderungen, denen sie sich zum ersten Mal als Abgeordnete stellen musste.
Um Demokratie in Europa selbst zu erfahren, war ein Parlamentsspiel auf dem Programm. Dadurch konnten die Teilnehmer erfahren wie kompliziert es sein kann, Mehrheiten in Europa zu finden und Entscheidungen herbeizuführen. Jeder Teilnehmer hatte einen europäischen Staat als "Außenminister" zu repräsentieren. Es wurden zwei Szenarien für das Jahr 2012 vorgestellt, zu denen Mehrheiten gefunden werden mussten und abgestimmt wurde.
Während der gesamten Zeit der Konferenz war auch ausreichend Zeit eingeplant, um die anderen Teilnehmer und deren Parteien und Organisationen kennenzulernen. Dabei war es interessant, die verschiedenen Länder und kirchlichen Hintergründe kennenzulernen. Vertreten waren Orthodoxe, Katholiken und Protestanten der verschiedensten Ausrichtungen.
Dennoch ist es allen wichtig, christliche Prinzipien und Werte in der Politik gemeinsam einzubringen. Es gibt immer noch gravierende Unterschiede in den politischen Systemen. In Osteuropa und auf dem Balkan ist Korruption noch an der Tagesordnung und Opposition wird teilweise nicht geduldet. Gerade deswegen sind die Bemühungen der christlichen Parteien und von ECPM und ECPYN so wichtig.
Eine Exkursion in dieses schöne Land rundete einen erlebnisreichen und lehrreichen Kongress ab.
Autor: Franz Reichard, Dresden, Mitglied des AUF-Landesvorstandes Sachsen
ECPM: European Christian Political Movement,
Organisation christlicher Parteien in Europa. AUF ist Mitglied der ECPM
http://www.ecpm.info/en/
ECPYN: European Christian Political Youth Network,
Jugendorganisation der ECPM
http://www.ecpyn.org/


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