Arbeit - Auszüge aus dem Grundsatzprogramm
Die menschliche Arbeit steht nach extremen Steigerungen der Produktivität vor völlig neuen Herausforderungen. Während viele Menschen voll gefordert und teils überfordert sind, sind viele auch von den heutigen Prozessen des Arbeitslebens ausgeschlossen. Gleichzeitig ist ein hoher Bedarf an Arbeit vorhanden (z.B. im gesamten Sozialbereich, u.a. in der Betreuung Pflegebedürftiger), der nur deshalb nicht ausgefüllt werden kann, weil an diesen Stellen die notwendigen Mittel nicht vorhanden sind. Weiterhin schwindet bei vielen Menschen Ihre Identität mit der Arbeit, weil die Schaffung von Arbeitsplätzen zu einem Selbstzweck des wirtschaftlichen Wachstums geworden ist, ohne die Folgen der Arbeit für die Umwelt und für die Gesellschaft zu überschauen.
Eine grundlegende Weiterentwicklung der menschlichen Arbeit erfordert eine Erweiterung des heutigen Begriffs Arbeit, der nicht nur die Erwerbstätigkeit einschließt. Bisher kaum bewertete, aber gesellschaftlich notwendige Tätigkeiten wie Familienarbeit benötigen eine neue – auch finanzielle – Anerkennung (siehe auch Abschnitt „Familie“).
Primäres Ziel einer neuen Arbeitsmarktpolitik ist die adäquate Eingliederung aller Menschen in den Arbeitsprozess. Jeder jugendliche und erwachsene Bürger soll die Möglichkeit eines Ausbildungs oder Arbeitsplatzes erhalten. Dazu muss sich Ausbildung und Arbeit wieder für alle lohnen, sowohl für Arbeitgeber/innen als auch Arbeitnehmer/innen. Im Rahmen eines Kombilohn-Modells wird bei gleichzeitiger Sicherung des Grundeinkommens (siehe Soziales) jederzeit ein Anreiz zur Arbeit gegeben sein, das heißt die Aufnahme oder die Erweiterung einer Tätigkeit muss sich in jedem Fall lohnen, und da bei geringfügig Beschäftigten und Geringverdienern nicht zum Totalverlust von Sozialleistungen führen.
Zugleich möchte AUF die Verantwortung der Unternehmen für Ausbildung und Arbeit stärken. Dazu benötigen die Unternehmen einerseits mehr Flexibilität am „normalen“ Arbeitsmarkt, andererseits aber höhere Zielvorgaben zur Integration von z.B. Ausbildungsplätzen und Behindertenarbeitsplätzen. Unternehmen, die Arbeitsplätze schaffen und erhalten, sollen aber auch durch einen weitgehenden Abbau der Lohnnebenkosten (Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung) entlastet werden. Dies wird möglich durch z.B. gleichzeitig erhobene Umweltabgaben (siehe auch Abschnitt „Umwelt“). Dadurch lohnt es sich für Unternehmen, in stärkerem Maße Arbeitsplätze anzubieten. Der auch in Zukunft notwendige Strukturwandel geht dann nicht mehr auf Kosten von Arbeitsplätzen. Stattdessen verlagert sich der Rationalisierungsdruck der Unternehmen auf die Einhaltung von Umweltzielen.
Ein weiterer Effekt ist, dass menschliche Arbeitskraft für sinnvolle Aufgaben auch dort rentabel eingesetzt werden kann, wo es bisher zu teuer war. Arbeitsplätze werden auch deshalb entstehen, weil die Einsparung von Rohstoffen langlebige Güter erzeugt, die in den meisten Fällen arbeitsintensiv und reparabel sind. Die Entwicklung neuer Produktionsformen muss dem einzelnen Arbeitsplatz wieder einen befriedigenden Sinn geben, indem die übertriebene Arbeitsteilung und Spezialisierung abgebaut wird.


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